Verträge


Wohnungseigentum kaufen ...
Von Heinz Conrads lernen ...

Es wird erzählt, dass Heinz Conrads seiner Frau jährlich eine Eigentumswohnung geschenkt hat.
Das weist den ungekrönten König der österreichischen Radio- und Fernsehunterhaltung der 60er und 70er Jahre nicht nur als großzügig sondern auch als besonders weitblickend und fürsorglich aus.

Wenn sich Ihr Gabentisch nicht unter derart üppigen Geschenken biegt, ist das wahrscheinlich nur darauf zurückzuführen, dass Sie nicht immer dasselbe schenken wollen.

Meist ist der Ankauf einer Eigentumswohnung aber nicht Routine, sondern eine einmalige Sache, die einen Großteil der Finanzkraft des Käufers beanspruchen kann. Sorgen Sie dafür, dass Sie die monatliche Kreditrate als Erinnerung an die Freude über ein gutes Geschäft feiern können.

Es mag sein, dass blinde Hühner manchmal ein Korn finden. Für den Ankauf einer Eigentumswohnung - insbesondere wenn es Ihr erster Ankauf ist - empfiehlt es sich, sich etwas genauer vorzubereiten. Es gibt - für Anfänger - keine günstigen Gelegenheitskäufe. Wohnungen sind Investitionen. Sie müssen bereit sein, Sie müssen informiert sein. Wenn Sie den Ankauf einer Wohnung planen, beginnen Sie zuerst mit den Finanzen. Reden Sie mit ihrer Bank - und deren Konkurrenz - vorher. Lassen Sie sich die mögliche Kredithöhe, die Zinsenbelastung, die Laufzeit des Kredites und die notwendigen Sicherheiten ausrechnen und vorlegen.

Setzen Sie sich ein Limit, das Sie jedenfalls finanzieren können - auch wenn Sie arbeitslos werden oder Sie sonst ein Unglück treffen sollte.

Suchen Sie sich kompetente Rechtsberatung - vorher. Sie werden einen Vertragsverfasser brauchen. Informieren Sie sich vorher ohne Zeitdruck. Vereinbaren Sie das Honorar - vorher. Informieren Sie sich über die Nebenkosten. Machen Sie sich mit den üblichen Vorgangsweisen und den Marktbedingungen der Immobilienmakler und Verkäufer vertraut.

Grundsätzlich müssen Sie zum Kaufpreis die Maklerprovision (3 bis 6%), die Vertragserrichtungsgebühren (3 bis 5%), die Grunderwerbssteuer (3,5%), die Grundbuchskosten (1%), insgesamt also Nebengebühren in Höhe von ca. 15% des Kaufpreises einplanen.

Jetzt müssen Sie nur noch etwas finden. Nehmen Sie nur eine Wohnung, die Ihnen auch nach Abzahlung des Kredites noch gefällt. Treffen Sie keine überhastete Kaufentscheidung. Überlegen Sie sich, ob Sie die Wohnung auch wieder zu einem für Sie günstigen Preis verkaufen könnten. Sehen Sie sich die Wohnung mehrmals an. Dafür muß Zeit sein. Sehen Sie sich die Wohnung mit Personen an, die Sie noch nicht mit Ihrem Kauffieber angesteckt haben.

Lassen Sie sich vom Verkäufer vollständige Informationen über die Wohnung geben. Bestehen Sie darauf, informiert zu werden. Das ist Ihr gutes Recht. Name und Anschrift des Eigentümers, die genaue Wohnungsnummer, die Höhe der monatlichen Betriebskostenzahlungen, ein Plan der Wohnung, ein aktueller Grundbuchsauszug, der Einheitswertbescheid und die genaue Höhe des Kaufpreises sind Grundvoraussetzungen.

Vorteilhaft ist, wenn Sie bei der Hausverwaltung des Hauses nachfragen können, ob und welche generellen Probleme es im Haus gibt, ob Bauaufträge der Baupolizei vorhanden sind oder größere Rückstände der Hauseigentumsgemeinschaft bestehen.

Häufig wird dem Kaufinteressenten vom Immobilienmakler ein Kaufanbot zur Unterfertigung vorgelegt. Untschreiben Sie nichts, ohne die Sache überschlafen und gründlich überlegt zu haben. Nachdem Sie meinen Ratschlägen sicher gefolgt sind, werden Sie Ihren Rechtsberater informieren. Mit den erwähnten Eckdaten kann dieser den Entwurf eines Kaufvertrages an den Verkäufer senden oder unseriöse Geschäftspraktiken aufdecken.

Vermeiden Sie jedenfalls, im Voraus irgendwelche Zahlungen zu leisten.
Einem meiner Klienten wurde die Wohnung Nr. 25 gezeigt, das Kaufanbot, das er an Ort und Stelle unterfertigen sollte, lautete auf Wohnung Nr. 45, der Barbetrag, der von ihm abgefordert wurde, war enorm. Mein Klient bezahlte nicht und behielt sich vor, ein Anbot zu legen. Meine Ermittlungen ergaben, dass die Wohnung Nr. 25 nicht zum Verkauf stand, die Wohnung Nr. 45 kleiner und auf eine Hauptverkehrsstraße hinausgelegen war als die ruhiggelegene Nr. 25.

Es kommt vor, dass die angeblich lastenfreie Wohnung nicht lastenfrei ist, dass schon Zwangsvollstreckungsverfahren gegen den Verkäufer eingeleitet wurden oder der Verkäufer ohne Sachwalter gar nicht gültig einen Kaufvertrag abschließen kann.

All diesen Ärger können Sie mit etwas Planung vermeiden.

Anwaltskanzlei Unterweger, Buchfeldgasse 19a, A-1080 Wien, www.unterweger.co.at