Steuern, Gebühren und Abgaben


Schifoan ... is des leiwandste auf da Wöd ...

Hätte Wolfgang Ambros gewusst, welch Vergnügen Schifahren auch in steuerlicher Hinsicht bereitet, dann hätte er nicht 100% seines Einkommens versteuern müssen, sondern bloß 25%. Das ist doch was.

Gemäß dem Erlass GZ 261.500-IV/6/76 des Bundesministers für Finanzen vom 22.3.1977, der nicht veröffentlicht wurde, beträgt die Besteuerungsgrundlage für Schirennläufer 25% (!) der Einkünfte. Da läuft einem doch das Wasser im Mund zusammen.

In den vorangegangenen Erlässen vom 5. Dezember 1972, GZ 261.303-9a/72, und vom 15. Jänner 1974, GZ 257.222-9a/73 wird dieses Privileg wird damit begründet, dass auf diese Art und Weise die Besteuerungsgrundlage der Einkünfte vereinfacht ermittelt werden kann. Das kann man kaum glauben.

Wenn es den Finanzämtern möglich ist, die Einkommen sämtlicher anderer 8 Millionen Einwohner der Republik zu ermitteln, sollte es ausgerechnet bei den Schirennläufern so schwierig sein, festzustellen, was ins Verdienen gebracht wird? Wohl kaum.

Die Einkünfte aus Werbeverträgen oder aus Verträgen mit Sportartikelerzeugern fallen zur Gänze im Inland an. Auslandsbezogen sind wohl nur die Siegprämien. Die fallen aber einerseits im Verhältnis zu den anderen Einkünften kaum ins Gewicht - sogar die Besten gewinnen nur acht mal im Jahr -, andererseits werden sie im Ausland versteuert und unterliegen daher von vorne herein nicht der österreichischen Steuerpflicht. Ein Blick in die Tageszeitung genügt in Wahrheit, um festzustellen, wer wo wann gewonnen hat.
Die Schwierigkeit der Ermittlung der Einkünfte durch die Finanzämter scheint mir nicht der Grund für diesen Erlass zu sein.

Einige Wortmeldungen führten aus, dieses Privileg habe seinen Grund darin, dass die Schirennläufer besondere Verdienste um die Republik hätten und als Werbeträger im Ausland auftreten würden. Mit dieser Argumentation wäre dieser "Promi-Steuersatz" aber auch anzuwenden auf Eiskunstläufer, Sportschützen, Schwimmer, Fußballer, Künstler, Literaten, Schriftsteller, Wissenschafter, Filmschauspieler, Bundespräsidenten, ...

Andere meinen wiederum, der Erlass begründe sich darin, dass die Schirennläufer einen besonders gefährlichen Beruf hätten.
Dann müsste dieser privilegierte Steuersatz aber auch für Berufsgruppen gelten, die tatsächlich besonders hohe Unfallsraten aufweisen, wie etwa Hausfrauen, Polizisten, Berufskraftfahrer, KrankenpflegerInnen, Bauhilfsarbeiter, ...
Die müssen aber 100% ihres Einkommens versteuern, obwohl sie nicht geringere Chancen auf ein Bett im Unfallkrankenhaus haben als unsere Schirennläufer.

Manchmal wird auch angeführt, der Verzicht des Staates auf Besteuerung von drei Vierteln des Einkommens der Schirennläufer hätte seine Ursache darin, dass man als Sportler nur kurze Zeit verdient.
Das kann aber auch jeden treffen. Wie die Arbeitslosenstatistiken zeigen, sind manche Berufskarrieren durchaus kürzer als jene von Schifahrern. Überdies zeigen gerade einige ehemalige Schistars im Fernsehen, dass sie mit längst verflossenen Siegen durchaus noch Geld in der Werbung machen können und dass ihre Berufskarriere daher gar nicht so kurz ist.

Insgesamt gesehen scheinen mir die Argumente für eine Sonderbehandlung der Schirennläufer nicht besonders stichhaltig. Die deutschen Steuerbehörden sehen das offensichtlich auch so. Dort werden die Einkünfte von Schirennläufern genauso versteuert, wie von gewöhnlich Sterblichen.

Der "Schirennläufer-Steuersatz" lässt mehr Fragen offen, als Antworten gegeben werden. Für mich stellt dieser "Promi-Steuersatz" ein schönes Beispiel dafür dar, was in Österreich unter Umverteilung und Gleichheit vor dem Gesetz verstanden werden muss.

Anwaltskanzlei Unterweger, Buchfeldgasse 19a, A-1080 Wien, www.unterweger.co.at