Schadenersatzrecht


Strenge Anforderungen an Aufklärungspflicht bei Risikosportart (Tandem-Paragleitflug)

Ein Tourist, der noch nie einen Paragleitschirm-Flug unternommen hatte, buchte einen Tandemflug. Der Leiter der Flugschule und der bei ihm beschäftige Paragleitschirmpilot hatten dem Gast erklärt, dass man einen solchen Flug einmal machen müsse und dass es "easy und super" sei, durch die Luft zu gleiten. Der Tourist fragte noch, ob es ein Problem sei, mit Skischuhen, wie er sie trug, zu starten. Der Geschäftsführer und der Pilot verneinten dies. Es kam anders als erwartet.

Der Tourist stolperte beim Anlaufen mit seinen Skischuhen, der Pilot verhedderte sich in den Teilen des Gleitschirms, man hob gerade soviel vom Boden ab, um dann aus 6m Höhe zu stürzen.

Der OGH gab der Klage des Touristen statt und sprach ihm Schmerzengeld für seine Verletzungen zu. Auch bei Risikosportarten wie dem Paragleiten trifft den Veranstalter und Betreiber einer solchen Sportart, der auch das dafür notwendige Sportgerät zur Verfügung stellt, eine entsprechende und strenge Sorgfalts- und Aufklärungspflicht über die Sicherheitsrisiken. Die Teilnehmer müssen nämlich in die Lage versetzt werden, die Situation ausreichend und vollständig abschätzen zu können. Die Schilderung, Aufklärung und Beratung sowie Belehrung hat so konkret, umfassend und instruktiv zu erfolgen, dass sich der hievon angesprochene der möglichen Gefahren bewusst wird und diese eigenverantwortlich abschätzen kann. Bloß deshalb, weil jemand an einer Risikosportart teilnimmt, kann daraus noch kein Verzicht auf Schadenersatzansprüche abgeleitet werden. Unrealistisch geprägte Erwartungshaltungen und die Verlockung mit dem Genusserlebnis allein ("easy und super") sind zu unterlassen.

OGH 19.12.2005, 2 Ob 277/05g

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