Schadenersatzrecht


Der Friseur hat's schwör (Klage nach Haarschnitt)

Die Klägerin begehrte vom Friseur ein Schmerzengeld im Betrag von 12.000,- ATS (1974) für erlittene seelische Schmerzen.
Der Beklagte habe ihr im Juni 1973 aus Anlass der Anfertigung eines sogenannten Rundschnittes ihr hüftlanges Haar gegen ihren ausdrücklich erklärten Willen unsachgemäß um mehr als die Hälfte, nämlich um mindestens 35cm, gekürzt. Durch den Verlust ihres langen Haares sei die Klägerin in ihrer äußeren Erscheinung schwer beeinträchtigt, was sie besonders hart treffe, weil sie nebenberuflich als Schönheitsberaterin tätig sei. Es werde 7 bis 8 Jahre dauern, bis sie diese besondere und nicht alltägliche Haarpracht wieder erlangt haben werde.

Das Gericht konnte dieser Argumentation folgen und stellte fest:

"Das Abschneiden der Haare gegen den Willen des Betroffenen ist eine Körperverletzung im Sinne des § 1325 ABGB, welche einen Anspruch auf Schmerzengeld für seelische Schmerzen begründen kann."

OGH 12. Dezember 1974, 6 Ob 246/74

Anwaltskanzlei Unterweger, Buchfeldgasse 19a, A-1080 Wien, www.unterweger.co.at